Gemeindechronik

NK 13-1-2009 - Dörpgeschichten - Grabenitz -Ausruhen im Schutz des Baumgeistes

PROJEKT Kleines Dorf, viele Besucher: Weil durch Grabenitz viele Rad-Touristen kommen, wurde für sie jetzt ein außergewöhnlicher Rastplatz errichtet.
VON PETRA KONERMANN
Roland PlodeckGRABENITZ.
Ein Griff in die Hosentasche und schon hat Roland Plodeck sein Taschenmesser zur Hand. Damit bearbeitet er den riesigen Baumgeist – jedoch nur, um ihm den Schnee aus dem hölzernen Gesicht zu holen, den der Wind in die Falten gefegt hat. Fertig ist der Waldgeist schon seit ein paar Wochen, hat aber noch keine Patina bekommen, daher leuchtet er und mit ihm die anderen Teile dieses besonderen Rastplatzes schon von fern. Doch wenn Schnee und Eis längst verschwunden sein werden, dann könnten der Waldgeist und die vielen anderen Teile des Rast- und Spielplatzes die ersten Gebrauchsspuren bekommen, da ist sich Roland Plodeck sicher. Zwei Monate hat es gedauert, bis Roland
Plodeck aus Eichen und Robinien aus dem Revier Nossentiner Hütte eine „Landschaft“ der besonderen Art entwickelt hat. Mit besonders viel Liebe zum Detail.
„Unsere Gemeinde wollte hier einen Rastplatz errichten. Weil hier gerade im Sommer viele Urlaube lang kommen. Das ist eine beliebte Strecke. Aber so einen üblichen Platz mit einer Hütte oder so sollte es nicht werden. Etwas Besonderes wollten wir, und dafür haben wir auch Förderung aus dem Leader-Programm bekommen“, berichtet Roland Plodeck.
Berufliche Erfahrungen hatte er bereits beim Spielplatzbau gesammelt, und auf die konnte er bei dem Bau des Grabenitzer „Schmuckstücks“ natürlich zurück greifen. „Schließlich muss in Sachen Sicherheit alles stimmen“, meint Roland Plodeck. Aber in Sachen Phantasie hat er sich über üblichen Standards hinweg gesetzt und mit Motorsäge
und Schnitzmesser gezaubert: Aus einem Astloch schaut ein kleiner weißer Wurm neugierig auf die Dorfstraße, ein anderes natürliches Astloch wird von einem Specht bearbeitet, eine Möwe hat sich auf einem der Pfähle niedergelassen, die die Spielkonstruktion tragen und die gleichzeitig wie Rohrkolben gestaltet sind, eine Katze mit gelben Augen schleicht über das Dach. „Es sollte ein Ort werden, der auch mit unserer Region zu tun hat, in dem sich Heimat widerspiegelt“, berichtet der Grabenitzer von seinen Überlegungen, die mit der Raststätte Gestalt angenommen haben. Er selbst wohnt gleich gegenüber und weiß, dass Radfahrer, um auszuruhen oder um vor Regen Schutz zu finden, in dem Buswartehäuschen Unterschlupf fanden. Mit der neuen Saison können sich Besucher dann komfortabel in den Schutz des handgeschnitzten Baumgeistes begeben.
„Ich freue mich, dass wir das hier in Grabenitz bauen konnten, und ein bisschen stolz bin ich auch“, meint Roland Plodeck mit Blick auf den Rastplatz. Er selbst
hat sich seit einigen Jahren als Schnitzer einen Namen gemacht, führt seine Kunst auch live auf Messen und Märkte vor. Roland Plodeck wiegelt ab: „Ein Künstler bin
ich nicht.“ Und es gehe auch viel daneben, das werde dann zu Brennholz.
Erfahrungen, die der Grabenitzer neben seinem Schnitz-Know how übrigens gerne auch in Kursen an Interessenten weiter gibt.
http://www.plodeck.com

Quelle: Nordkurier 13.1.2009