Gemeindechronik

Dörpgeschichten 2010 - Grossmann

DÖRPGESCHICHTE(N): HEUTE AUS GRABENITZ (GEMEINDE KLINK)
Vom Emsland zurück auf den Bauernhof

Landwirt Sven Großmann zeigt zusammen mit seiner kleinen Tochter Emma die zahlreichen Milchkühe der Familie,  die trotz der eisigen Temperaturen im Außengehege Auslauf suchen.LANDWIRTSCHAFT Sven Großmann findet sein privates Glück im niedersächsischen Lingen. Für das berufliche Glück kehrt er zurück in seine alte Heimat.
VON DAJANA RICHTER
GRABENITZ. Landwirtschaft war schon immer ein Teil seines Lebens. Bereits sein Vater und Großvater verdienten damit ihr Geld. Unter dem Vorsitz seines Opas Paul Großmann wurde 1952 sogar die erste Genossenschaft des Ortes Grabenitz unter dem Namen „Neuer Weg“ gegründet.
Sein Vater hat den jetzigen Betrieb aufgebaut und bis zur Rente 2007 geleitet. Doch Sven Großmann hatte ganz andere Pläne. „LPG-Landwirt wollte ich nicht werden“, sagt er. Deshalb hat er zunächst in Bitterfeld eine Schlosser-Lehre absolviert. Nach der Wende ist er für Montagearbeiten in die alten Bundesländer gegangen. In der Stadt Lingen im Emsland hat er sich in Kornelia verliebt. Sie stammte aus Franzburg, südwestlich von Stralsund. Nach der Geburt ihres Sohnes Paul, kehrten sie 1994 nach Grabenitz zurück, wo Großmann in den Betrieb seines Vaters einstieg. „Ich war als Kind immer mit im Stall, bin also damit aufgewachsen“, erzählt der Landwirt. Sein Schlosser-Wissen kann er bis heute gut in seine Arbeit integrieren.
Sven Großmann gehört seit diesem Jahr zu den ökologischen Milchbauern. Die gesamte Umstellung hat zwei Jahre gedauert. Die wichtigste Neuerung betraf das Futter. „Man streut jetzt keinen künstlichen Dünger mehr und auch keine Pflanzenschutzmittel“, erklärt er. Auch die Weidehaltung ab Mai sei zwingend vorgeschrieben. „Wir haben eine Alternative zur konventionellen Milchproduktion gesucht“, begründet Großmann den Schritt zur Bio-Milch.
In seinen Ställen hat er derzeit 95 Milchkühe und 80 Jungtiere untergebracht. „Die meisten davon sind bei uns geboren und aufgewachsen.“ Nach 30 bis 36 Monaten gibt eine Kuh in der ökologischen Produktion erstmals Milch. „Das dauert
fast doppelt so lange wie bei der normalen Kuh“, sagt der Grabenitzer. Öko-Betriebe erreichen zudem geringere Milchleistungen als konventionelle Betriebe. Dies bestätigt Großmann. „Die Leistung ist um etwa ein Drittel geringer.“ Und er gibt zu: „Ohne extra Fördermittel wäre das alles nicht machbar.“ Vor allem, wenn der preisliche Abstand zwischen konventioneller Milch und Bio-Milch weiter so gering bleibt wie derzeit.
Als zukünftige Einnahmequelle ist bei der Familie ein Milch-Automat im Gespräch. „Ab dem Sommer wollen wir eventuell Frischmilch über einen Automaten verkaufen“, verrät Großmann.

Quelle Nordkurier 21.12.2010